Der Panzerstecher des Kasim Bey

An dieser Stelle möchte ich mich bei den Mitarbeitern der Rüstkammer des Kunsthistorischen Museum für ihr Engagement in meiner Sache und den dadurch entstandenen Zeitaufwand bedanken. Im speziellen beim Leiter des Museums Dir. HR Dr. Christian Beaufort-Spontin und dem Restaurator Hr. Harald Pomper.

Nach der Schlacht bei Leobersdorf - Enzesfeld am 19.09.1532 als Kasim Bey mit seinen Krieger von der Reichstruppen gestellt und aufgerieben wurde, kamen seine Ausrüstung, allen voran sein Panzerstecher (Inv. Nr. C162) und auch seine Edelsteinbesetzten Geierschwingen sowie sein Helm als Trophäe über Pfalzgraf Friedrich zu Kaiser Karl V. Über den Verbleib der Geierschwingen bzw. Kasim Beys Helm ist nicht bekannt, vermutlich gingen sie im Laufe der Zeit verloren. Kasim Beys Panzerstecher kam in die private Waffensammlung des zweiten Sohnes Ferdinand I., Erzherzog Ferdinand von Tirol, wo er  im Jahre 1593 in Innsburck erstmals im einem Katalog unter dem Namen Cassenbeg Stecher (Kasim Bey Stecher) erwähnt wurde. Der Panzerstecher verblieb in der Hofrüstkammer auf Schloss Ambras zu Innsbruck und wurde später in die Rüstkammer des KHM nach Wien transferiert.

Die falsche Beschilderung Kasim Beys Panzerstechers unter dem Namen Cassanbeg Stecher wurde vermutlich von damals her übernommen.

Über diverse literarische Hinweise wurde ich auf den Panzerstecher aufmerksam und besuchte das KHM in Wien. Nie hätte ich es jedoch für möglich gehalten das der Schwert tatsächlich, sogar in einer Vitrine im Türkensaal ausgestellt ist (Inv. Nr. C162) . Hr. DIR. Beaufort-Spontin und seine Mitarbeiter waren so freundlich mich den  Panzerstecher fotografieren zu lassen.

Beschreibung des Panzerstechers des Kasim Bey anhand des Inventarkatalogs (S. 238) der Rüstkammer des Kunsthistorischen Museum in Wien:

Silber, vergoldet, Eisen, Holz - Gefäß aus vergoldetem Silber: Gerippter Birnenknauf, Metallgriff mit Nodus, abwärts gebogenen Parierstange mit plastischen Drachenkopfenden, lange Scheidenhülse anstelle des Mitteleisens.

Am Knauf gravierte Rankenstreifen, an der Vorderseite von Griff und Hülse gravierte Medaillons mit punziertem Grund.                                                           Schmale Stecherklinge von rhombischen Querschnitt.

Auf der Vorderseite des Klingenansatzes Ornamente in Goldschmelz auf blauem Grund, auf der Rückseite Ornament in Blauätzung. Dabei Scheide mit silbervergoldetem Blechüberzug.

Die 3 Scheidenzwingen verziert durch gegossene einst emaillierte Medaillons, an den beiden oberen starre Trageringe von jenen eine fehlt. Zwischen den erhabenen Medaillons gibt es am Scheidenblech ähnliche jedoch gravierte Medaillons. Die Stosskugel am Scheidenende fehlt ebenfalls.

In der Restauratorenwerkstätte der Rüstkammer des

Kunsthistorischen Museums (KHM) in der Hofburg in Wien

Eine Fotokopie des Panzerstechers aus der Museumskartei des KHM.

Unter dem Bild ist Kaschan Beg (Kasim Bey) mit dem Todestag 19.9.1532 verzeichnet.

Direkt neben Kaschan Beg ist der Name "Mihalbey" notiert  --->

Mihaloglu Kasim Bey

Der Panzerstecher des Kasim Bey (Kaschan Bey) ist rechts zu sehen, links davon 2 weitere osmanische Stecher aus Ungarn um ca. 1560 aus einer Vitrine des KHM.

 

Vorderseite des Panzerstechers:

Erkennbar an dem reich verzierten Griff ---> zum Vergleich Rückseite (s.u)

Parierstange mit nach vorne gebogenen plastischen Drachenköpfen

   

Vorderseite des Panzerstechers:

Erkennbar an dem reich verzierten Griff -  das erste Viertel der Klinge ist mit

Ornamente in Goldschmelz auf blauem geätztem Grund verziert

 

Vorderseite des Panzerstechers:

Ornamente in Goldschmelz auf blauem geätztem Grund gehen in reine  Blauätzung über.

Die Klinge ist schmal und von rhombischem Querschnitt

Die Spitze der Panzerstecherklinge !!

Handknauf des Panzerstechers in Birnenform

Rückseite des Panzerstechers:

Erkennbar an dem wenig verzierten eher schlicht gehaltenen Griff.

Auch erkennbar ist die Inventarnummer C162

 

Rückseite des Panzerstechers:

Parierstange mit nach vorne gebogenen plastischen Drachenköpfen -

Ornament in Blauätzung aber ohne Goldschmelz

Auch erkennbar ist die Inventarnummer C162

 

Rückseite des Panzerstechers:

Ornament in Blauätzung aber ohne Goldschmelz im ersten Viertel der Klinge

 

Der Panzerstecher ist nicht zur Gänze in die Schwertscheide eingeführt, da die Scheide restauratorisch nachbearbeitet werden muss.

Erkennbar ist die genaue Passform: Die Ornamente des Panzerstechers und er Schwertscheide gehen exakt in einander über.

 

   

Die oberen 2 Viertel der Vorderseite der Schwertscheide mit zahlreichen Verziehrungen und Medaillons.

Einer der zwei Gürteltrageringe fehlt.

 

Die unteren 2 Viertel der Vorderseite der Schwertscheide mit zahlreichen Verziehrungen und einem Medaillon.

 

Spitze der Vorderseite der Schwertscheide und der Hinderseite, wieder schlicht gehalten.

Die Rückseite der Scheide, als Ganze, ist nicht abgebildet da sie sehr schlicht ist und gar keine Verzierungen oder Gravuren aufzuweisen hat.

Die Stosskugel am Ende der Schwertscheide ist abgebrochen

 

 

Die Schwertscheide in zerlegtem Zustand, bestehend aus 5 Teilen die ineinander geführt werden.

Innen besteht die Schwertscheide aus Holz (unten) --> letztes Drittel morsch/faulig --> Restauration

Oben ist nochmals der Kasim Beys Panzerstecher zu sehen.